Was ist Gerechtigkeit?

Was ist am Thema Gerechtigkeit anscheulich?

Die Zukunft wird Verteilungs- und Machtkonflikte zeitigen, offener und brutaler ausgetragen als der verwöhnten heutigen Generation vorstellbar. Der lange Nachkriegsfrieden, ohnehin stets brüchig, zerfällt zu Staub. Die Gesellschaft vergreist. Die Ansprüche wachsen ins Unerfüllbare. Die Orientierungslosigkeit schwächt die Vitalität. Auf den Schlachtfeldern der Zukunft stehen bereit zum Kampf: Jung gegen Alt, Arm gegen Reich, Ungebildete gegen Gebildete, Faule gegen Fleissige, Regelbrecher gegen Regeltreue, Arbeitslose und Unterbeschäftigte gegen fest Angestellte und Beamte, Verschwender gegen Sparsame, Einheimische gegen Einwanderer, Fanatiker gegen Tolerante, u.s.w., zu schweigen von den internationalen Konflikten, die entlang ähnlicher Thematik ablaufen werden.

Worum geht es? Um die gute alte Beute seit Steinzeiten: Macht, Territorium, Ressourcen, Weiber, wobei das Eine aus dem Anderen folgt.

Wir aber, ist doch klar, sind keine Steinzeitler, sondern zivilisiert.

Zivilisation bedarf auf Dauer der Einhaltung dieser Spielregel: Die Beute wird „gerecht“ verteilt.

Wird uns das auch in Zukunft gelingen, wenigstens ansatzweise? Wird das überhaupt möglich sein und wenn ja, „unsere“ Zivilisation retten können?

Eine Umfrage in den Google-communities „Philosophie“ und „Politik“ zur Frage „Was ist Gerechtigkeit“ hatte zum Ziel, herauszufinden, wie ein, zugegeben winziges, aber kommunikationsfreudiges, Segment der Gesellschaft diesen Begriff interpretiert.
Diese Umfrage hat sich reger Beteiligung erfreut. Die 15 markantesten und repräsentativsten Beiträge sind im Folgenden nach Kategorien geordnet dargestellt. Die oben kursiv gesetzten Zukunfts-Fragen sind damit allerdings noch lange nicht beantwortet. Vielleicht entwickelt sich daraus eine interessante Diskussion.

Was ist Gerechtigkeit?

Gerechtigkeit = subjektiv, versus Recht = objektiv:

  • Gerechtigkeit ist, im Gegensatz zum Recht, der Wunsch, wie die Dinge sein sollten. Dieser Wunsch ist natürlich für jeden anders. Gerechtigkeit ist sehr subjektiv.
  • Ein Anwalt berichtet seinem Mandanten: „Sie können sich freuen, die Gerechtigkeit hat gesiegt.“ Der Mandant erwidert: „Dann gehen wir sofort in Berufung!”
  • Wir sind nicht „Regeln unterworfen“, wir unterwerfen uns. Am besten funktionieren ungeschriebene Gesetze, weil sie uns einleuchten. Ich bring Dich nicht und Du bringst mich nicht um – wir haben beide was davon …

Kategorisch imperativ:

  • Was Du nicht willst was man Dir tu – das füg auch keinem anderen zu.
  • Der Mensch darf niemals Mittel, sondern muss immer der Zweck sein (im Hinblick auf die Zukunft der Arbeit).
  • (Du bist gerecht) Solange Du mit Deiner Freiheit nicht die Freiheit des Anderen beschneidest.

Chancengleichheit:

  • Gerecht ist es, jedem Menschen die selbe Möglichkeit zu geben, etwas erreichen zu können.
  • Gerechtigkeit und Gleichheit wird oft assoziiert, aber … muss man das sehr differenziert sehen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist OK. Gleicher Lohn für egal welche Arbeit ist nicht OK.
  • … die Annäherung des Gerechtigkeitsbegriffs an den Begriff der Fairness macht schon Sinn. Denn wenn wir uns z.B. die Wirtschaftsform der Marktwirtschaft ansehen, kritisieren wir ja hauptsächlich den Prozess des Zustandekommens von bestimmten Ungleichheiten, nicht die Ungleichheit selbst. Denn Ungleichheit ist ja auch Teil bzw. Voraussetzung von Vielfalt, die ja etwas Herausforderndes sein kann. Fairness sollte dann z.B. dafür sorgen, dass „gedopte“ „Läufer“ sanktioniert werden, sofern diese erwischt werden …

Individuum vs. Kollektiv:

  • Gerechtigkeit bedeutet Individualismus ohne Eingriff in die Individualität Anderer.
  • Die Probleme liegen weniger in der Definition, als in der Anwendung. Die einen sagen 40% Steuersatz seien gerecht, wer etwas hat, der soll etwas abgeben, die anderen empfinden es als ungerecht, wer etwas verdient, soll es behalten dürfen.
  • Wir tun uns einfach sehr schwer damit zu begreifen, das Gerechtigkeit etwas für kleine Gruppen ist, und nicht für große Gruppen.

Kritik der reinen Gerechtigkeit:

  • (Unsere Vorstellung von) Gerechtigkeit beruht auf Vergleichen von uns mit anderen. Vielleicht fühlen wir uns heute so oft ungerecht behandelt, weil wir so viele Vergleichsmöglichkeiten haben? Je informierter wir über die Welt sind, desto ungerechter kommt sie uns vor? Erst wenn wir von jemandem Kenntnis erhalten, der uns irgendwie ähnelt, aber dem es deutlich besser geht, erst dann fühlen wir uns benachteiligt.
  • Der übliche Bürokratiewahnsinn hat ausschliesslich seine Ursache im Gerechtigkeitsstreben. Gerechtigkeit macht die Welt extrem kompliziert.
  • Gerechtigkeit ist ein menschliches Empfinden das von „Glaube“ geprägt ist. Die Masse macht mit faschistischem Eifer Gesetzte daraus.

Zum Abschluss ein bekanntes Zitat aus dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland:

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“

Fast überflüssig bleibt zu bemerken, dass zur Zeit in Politik und Medien wahre Gerechtigkeitsorgien gefeiert werden, bei denen paradoxerweise vielen gesellschaftlichen Gruppen und Zeitgenossen die oben genannten Grundrechte auf das Übelste beschnitten werden und die Gerechtigkeit mit Füßen getreten wird.

anscheulich bietet seinen Lesern die Möglichkeit, Beispiele hierfür auf diesem Blog zu veröffentlichen.

Zum Schluss ein herzliches Dankeschön an Alle, die bisher zum Thema Gerechtigkeit beigetragen haben.

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scio nescio

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